Was bedeutet Gender Mainstreaming?

Gender kommt aus dem Englischen und bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechtsrollen von Frauen und Männern.
Diese sind - anders als das biologische Geschlecht - erlernt und damit auch veränderbar.

Mainstreaming (englisch für "Hauptstrom") bedeutet, dass eine bestimmte inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird.

Gender Mainstreaming bedeutet, laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.

Gender Mainstreaming ist damit ein Auftrag

- an die Spitze einer Verwaltung, einer Organisation, eines Unternehmens und
- an alle Beschäftigten,

die unterschiedlichen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern

  • in der Struktur
  • in der Gestaltung von Prozessen und Arbeitsabläufen
  • in den Ergebnissen und Produkten
  • in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
  • in der Steuerung (Controlling)

von vornherein zu berücksichtigen, um das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern effektiv verwirklichen zu können.

Die Umsetzung des Gender Mainstreaming-Gedankens erfordert Genderkompetenz sowohl bei der Leitung als auch bei den Mitarbeitenden in einer Organisation. Dies bedarf wiederum einer Schulung, um den geschlechtergerechten Blick auf Maßnahmen und Programme zu üben. Darüber hinaus ist es dringend erforderlich, dass geschlechtsdifferenzierte Daten vorliegen. Ohne einführende Schulung und ohne geschlechtsdifferenzierte Daten bergen Gender Mainstreaming Instrumente die Gefahr, dass die Anwenderinnen und Anwender Geschlechterverhältnisse nicht gründlich hinterfragen und analysieren sondern stattdessen Stereotype und traditionelle Rollenerwartungen festgeschrieben werden.

Mehr dazu unter: 
gender-mainstream
gender-nrw 
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Gender Mainstreaming und Frauenpolitik/Frauenförderung - ist das nicht das Gleiche?

Nein, denn „Gender Mainstreaming" ist eine Strategie mit dem Ziel, unterschiedliche Ausgangslagen und möglicherweise unterschiedliche Wirkungen von Maßnahmen auf Männer und Frauen systematisch zu berücksichtigen. Werden dabei Benachteiligungen festgestellt, sind „Frauenpolitik" bzw. „Männerpolitik" die einzusetzenden Instrumente, um der jeweiligen Benachteiligung entgegenzuwirken.

Frauenpolitik (auch Männerpolitik) wird daher durch „Gender Mainstreaming" keineswegs überflüssig gemacht. Vielmehr können sich geschlechtsspezifische Angebote durch die Analysen im Rahmen von Gender Mainstreaming als notwendig herausstellen. Leider werden unter Verweis auf Gender Mainstreaming frauenspezifische Angebote (z.B. in der Jugendarbeit) oder Frauenförderstellen eingespart. Da dies nicht der Gleichstellung der Geschlechter dient und somit der Zielsetzung von Gender Mainstreaming zuwider läuft, handelt es sich um Missbrauch der Strategie. Dieser Missbrauch diskreditiert Gender Mainstreaming insbesondere in den Kreisen, die ebenfalls gleichstellungspolitische Interesse verfolgen.

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