Wechseljahre / Hormone

In einer Gesellschaft, in der alle Menschen alt werden, aber niemand alt sein möchte, sind die Wechseljahre der Frau zum Problemfall geworden. Denn das Ende der biologischen Fruchtbarkeit signalisiert den Übergang in eine Lebensphase, die früher „Alter“ genannt und mit Gebrechlichkeit assoziiert wurde.

In den letzten 50 Jahren haben sich die Lebensbedingungen in Deutschland so weit verbessert, dass viele ältere Menschen noch über eine hohe Vitalität verfügen. Gleichzeitig ist aber auch der Anspruch gewachsen, im höheren Alter noch möglichst jung und fit zu sein und zu wirken. Dies betrifft Frauen in besonderem Maße,

  • weil ihre Wertschätzung in höherem Maße mit einem optischen Schönheitsideal verknüpft ist,
  • weil ihr Eintritt in die Lebensphase „Alter“ noch immer mit dem Eintritt der Wechseljahre verknüpft wird.

Die Pharmaindustrie hat versprochen, hier Abhilfe zu schaffen: Auch in und nach den Wechseljahren sollen Frauen sich jung und fit fühlen können, wenn sie sich die Hormone, die ihr Körper nur noch eingeschränkt herstellt, zusätzlich in künstlicher Form zuführen.

Die Höhe der Hormonverordnungen Ende der 90er Jahre war gigantisch: Nahezu jede zweite Frau im Alter von 50-60 Jahren nahm Hormonpräparate, um Wechseljahrsbeschwerden zu lindern oder ihnen vorzubeugen, um Alterserkrankungen vorzubeugen oder um ganz allgemein „ihre Lebensqualität zu verbessern“. Sie nahmen damit ein hohes Risiko auf sich: Im Jahr 2002 musste in den USA eine Arzneimittelstudie an 16.000 Frauen vorzeitig abgebrochen werden, weil sich herausstellte, dass die verabreichten Hormone zu einer Zunahme von Herzinfarkten, Schlaganfällen, Brustkrebs und Thrombosen führten. Seitdem findet zwar allmählich ein Umdenken in der Medizin statt, Alternativen zur Hormonbehandlung werden aber noch immer zu selten erwogen. Frauen, die unter Wechseljahrsbeschwerden leiden, sollten sich daher sehr genau informieren, bevor sie sich für oder gegen Hormone entscheiden und dabei bedenken: Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine Lebensphase!

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