Geschlechtsspezifische Medizin

Wo in der Medizin geschlechtsspezifisch geforscht, diagnostiziert und behandelt wird, gereicht es Frauen leider nicht immer zum Vorteil:

So wurden in der Vergangenheit z.B. manche Arzneimittelstudien ausschließlich an Männern durchgeführt. Die Ergebnisse wurden als allgemeingültig betrachtet und auf Frauen übertragen. Resultat: Die Behandlungen schlugen bei Frauen schlechter an – so z.B. bei der Behandlung koronarer Herzerkrankungen.

Inzwischen weiß man, dass Frauen und Männer bei Herzerkrankungen unterschiedliche Risikofaktoren haben, unterschiedliche Symptome entwickeln, unterschiedliche Diagnosemethoden und eine unterschiedliche Behandlung benötigen.

Ein anderer Fall von benachteiligender Ungleichbehandlung ist z.B. der Umgang etlicher MedizinerInnen mit Depressionen und depressiven Verstimmungen bei PatientInnen: Hier werden Frauen häufig übermedikalisiert.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden in Zukunft weitere Fälle bekannt werden, die eine differenzierte Erforschung von Gesundheit und Krankheit bei Männern und Frauen erforderlich machen.

Positiv an diesen Erkenntnissen ist, dass sie die Möglichkeit zur Entwicklung einer geschlechterdifferenzierten Medizin und Heilkunde bieten, die Frauen und Männern in Zukunft wirklich gerecht wird.

Ein Lichtblick ist zum Beispiel die Einrichtung von Brustkrebszentren in NRW, die ihre Fachkompetenz regelmäßig nachweisen müssen und damit eine Behandlung gewährleisten, die sich auf dem neuesten Stand der Forschung befindet.

Ein weiterer Lichtblick sind neue Forschungsrichtungen wie die Psycho-Neuro-Immunologie, die den Zusammenhang zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Krankheitsfaktoren erforscht. Denn wenn die Unterscheidung zwischen psychischen, somatischen und psychosomatischen Erkrankungen hinfällig wird, muss die soziale Bedingtheit vieler Erkrankungen von Frauen in den Fokus gerückt werden und dort bekämpft werden, wo sie entsteht: Mitten in unserer Gesellschaft.

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